Wisentbulle «Enrik» wurde von seinem Leiden erlöst.

01.02.2022

Der Tierpark Bern musste einem langjährigen Bewohner des Dählhölzli-Waldes Lebwohl sagen.

Aufgrund fortschreitender chronischer Lahmheit wurde Wisentbulle «Enrik» gestern, am 31. Januar 2022, von seinem Leiden erlöst. Einige seiner Nachkommen tragen heute zur erfolgreichen Wiederansiedlung dieser fast ausgestorbenen Tierart bei.

Wisentstier «Enrik» wurde am 22. Mai 2005 in Eriksberg, Schweden, geboren und kam am 27. Oktober 2006 nach Bern. In den mehr als 15 Jahren seit seiner Ankunft sorgte er für insgesamt 40 Nachkommen im Tierpark Bern. Acht seiner Nachkommen wurden im Rahmen von Wiederansiedlungsprojekten in Polen, Rumänien und jüngst auch im Kaukasus in Aserbaidschan ausgewildert. Da die Wisente in Bern in der weitläufigen, 5 Hektar grossen Waldanlage fast wie in der freien Natur umherstreifen und ihr Futter teilweise selbständig suchen können, sind sie für das Leben in der Wildnis bestens vorbereitet. Andere von «Enriks» Nachkommen fanden innerhalb des Europäischen Erhaltungszuchtprogrammes EAZA Ex Situ Programm (EEP) in Zoos, Tier- oder Naturparks eine neue Heimat.

Wisent Enrik im Tierpark Bern (November 2021)

«Enrik» war ein gutmütiger Wisentstier, der eine besondere Beziehung mit seinem langjährigen Tierpfleger suchte und aufbaute. Diese ging so weit, dass er sich vor einigen Jahren zweimal täglich während einer Woche von ihm eine Augensalbe verabreichen liess, als er unter einer Entzündung litt. Einzig während der Brunftzeit war auch sein vertrauter Tierpfleger nicht in der Nähe erwünscht.

Trotz ausgezeichneter tierpflegerischer und medizinischer Betreuung des Tierpark-Teams hatte der betagte Wisentstier in letzter Zeit immer mehr Mühe mit dem Gehen. Die zunehmenden Schmerzen, an denen er trotz Schmerzmittelbehandlung litt, bewogen den Tierpark, das Tier gestern in seiner vertrauten Umgebung friedlich einschlafen zu lassen.

Wisent Enrik im Tierpark Bern (Februar 2021)

Das EEP hat bereits mögliche Nachfolger für «Enrik» in Aussicht gestellt, welche genetisch besonders wertvoll sind. Noch ist nicht definitiv bestimmt, welcher Wisentstier nach Bern kommt, einzig, dass sein Name mit «Bo» beginnt – nach dem Herkunftsort Borås in Schweden. So kann der Tierpark Bern hoffentlich auch zukünftig mit Wisent-Nachzuchten zum Erhalt des grössten lebenden Landsäugetiers in Europa beitragen.

Verein zooschweiz
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