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Der etwas anderer Blick bei Führungen

14.04.2026

Wenn das Interesse immer grösser wird, wird man irgendwann Fachfrau. Brigitte Siegenthaler war schon als Kind an Tieren interessiert, ist oft als Hobby-Fotografin unterwegs und seit nun mehr als zehn Jahren passionierte Führerin und Infomobilerin im Tierpark. Seit zwei Jahren hat sie ein besonderes Tool für ihre Nachtführungen: eine eigene Wärmebildkamera.

Doris Slezak: Liebe Brigitte, ich habe dich kennengelernt als „gwundrige“ Führungsteilnehmerin, inzwischen stehst du selbst auf der anderen Seite und begeisterst Gross und Klein mit deinen Erzählungen und deinem Wissen. Wie bist du dazu gekommen, in deiner Freizeit im Tierpark als Führperson zu arbeiten?

Brigitte Siegenthaler: Tiere haben mich schon als Kind interessiert. Als Erwachsene habe ich irgendwann den Tierpark wiederentdeckt. Zu meinem 40. Geburtstag habe ich mir sogar eine Führung mit meiner Familie geschenkt. Ich habe sehr oft an Führungen im Tierpark teilgenommen, bis mir dann einer der Führer mal gesagt hat, dass ich die Führungen jetzt bald selbst machen kann. Weil ich noch unsicher war, habe ich bei den Infomobilen angefangen. Es hat mir so grossen Spass gemacht, den Leuten etwas über Tiere zu erzählen, dass ich Cornelia Mainini gefragt habe, ob ich auch Führungen machen kann. Meinen ersten Infomobil-Einsatz habe ich 2014 gehabt und meinen ersten Führungseinsatz dann 2016.

DS: Und passionierte Fotografin bist du ja auch. Wie bist du auf die Idee gekommen, dir eine Wärmebildkamera zuzulegen?

BS: Ich mache ja oft Nachtführungen, wie die späte Vollmondführung oder die Übernachtung für Erwachsene. Jemand riet mir, dabei eine Wärmebildkamera zu verwenden. Also habe ich diejenige vom Tierpark bei Führungen getestet und war nach zwei Tagen so begeistert, dass ich mir gleich eine eigene gekauft habe. Auch schon für mich privat: Wenn man am Abend am Waldrand durch die Wärmebildkamera schaut, sieht dort auf einmal ganz viel Rehe!

DS: Und was entdeckst du dann so mit den Leuten?

BS: Wenn man abends in die Moschusochsenanlage schaut, sieht man ja ganz viele Felsen. Und durch die Wärmebildkamera hat dann einer der Felsen plötzlich rotgelbe Augen, das ist dann ein Moschusochse. Man kann auch die Hornzapfen sehen, die sind ja durchblutet. Oder während dem Elchstier ein neues Geweih wächst, leuchtet dieses rotgelb, weil ja die Basthaut um das Geweih durchblutet ist.

Wärmebild der Moschusochsen: je wärmer ein Körperteil ist, desto heller ist er gefärbt. Augen, Nase und Hornzapfen sind gelb.

Brigitte Siegenthaler mit der Wärmebildkamera bei den Moschusochsen

DS: Wie reagieren die Leute darauf?

BS: Die Menschen sind ganz fasziniert. Bei den Seehunden ist es sehr spannend, weil die ja so gut isoliert sind. Wenn sie aus dem Wasser kommen und sich auf die Felsen legen, dann sieht man wirklich nur die Augen und die Nasenlöcher. Der Rest des Körpers ist nur ein schwarzer Schatten. Wenn man dann in der Früh nach einer warmen Sommernacht schauen geht, dann sind sie ganz rot und teilweise sogar gelb, weil ihnen dann warm ist. Sie können ja das Blut ausserhalb der Fettschicht zirkulieren lassen, damit kühlen sie sich ab, und das kann man in der Wärmebildkamera dann auch richtig gut sehen.

Es macht mir Freude, den Leuten etwas Spannendes zu erzählen. Und manchmal kann ich im Gegenzug auch von den Leuten lernen.

Wärmebild eines Seehundes gleich nach dem Auftauchen: Nur die Augen und geöffneten Nasenlöcher sind in Rotgelb sichtbar.

Wärmebild eines Seehundes nach einer warmen Sommernacht: Weil ihm warm ist, lässt er das Blut ausserhalb der Fettschicht zirkulieren, daher die Rotfärbung.

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