Vom Tierpark in die Karpaten – Berner Elch zieht nach Rumänien

Am 20. April 2026 hat ein junger Elchbulle den Tierpark Bern verlassen und ist nach Rumänien gereist – als Vertreter einer Art, die dort seit Mitte des 19. Jahrhunderts ausgestorben ist. Im Naturpark Vânätori-Neamț wird er Teil einer kleinen Gruppe, die den Grundstein für die Wiederansiedlung des Elchs in Rumänien legen soll.

Wiederansiedlung: Elche kehren nach Rumänien zurück

In Rumänien gibt es heute keine wildlebende Elchpopulation mehr. Der Berner Elchbulle wird nach der kurzen Quarantäne in eine 180 Hektar grosse Anlage kommen, wo er gemeinsam mit drei Elchkühen und einem weiteren Elchstier leben wird. Das Projektgebiet bietet eine vielfältige Landschaft aus Laub- und Mischwäldern, Grasland und Feuchtgebieten – ideale Bedingungen für die grösste Hirschart Europas. Ein Forschungsteam der Universität Suceava begleitet die Population wissenschaftlich; alle Ergebnisse werden öffentlich zugänglich gemacht.

Die fünf Jungelche sollen die Gründerpopulation für eine mögliche Wiederansiedelung von Elchen in der Region bilden. Nach einer Zeit der Beobachtung, wie gut sich die Tiere an die lokalen Bedingungen anpassen, entscheidet die Parkverwaltung aufgrund der wissenschaftlichen Daten, ob die Nachkommen der Gründertiere in die freie Wildbahn entlassen werden.

«Dass ein Tier aus dem Tierpark Bern künftig durch rumänische Wälder steifen wird und vielleicht den Grundstein für das Zurückkehren einer ausgestorbenen Art sein kann, erfüllt uns mit echtem Stolz. Wir leisten damit einen konkreten Beitrag zur Biodiversität in Europa», sagt Tierparkdirektorin Friederike von Houwald.

Elchzwillinge im Tierpark Bern

Der Elchbulle wurde am 17. Mai 2025 als Zwilling geboren – der dritte Wurf der sechsjährigen Berner Elchkuh. Elche gehören zu den anspruchsvollsten Tierarten in der Zoohaltung: Viele Zoos haben ihre Elche in den letzten Jahren abgegeben, was die Vermittlung von Jungtieren zunehmend erschwert. Da eine Elchkuh ihren Vorjahresnachwuchs kurz vor der nächsten Geburt verstösst, mussten beide Jungbullen den Tierpark rechtzeitig verlassen.

Für den zweiten Zwillingsbullen konnte trotz intensiver Suche kein geeigneter Platz gefunden werden. Er wurde daher geschlachtet und den Raubtieren im Tierpark Bern als hochwertiges Futter verfüttert. Dieser Entscheid ist nie einfach, entspricht aber einer sachlich begründeten und verantwortungsvollen Praxis in der modernen Zoohaltung.

Der Elch rückt näher – auch an die Schweiz

Der Elch (Alces alces) ist die grösste Hirschart Europas und seit einigen Jahren auf dem Vormarsch in südwestliche Regionen. Vereinzelte Tiere wurden bereits in Süddeutschland beobachtet – es ist möglicherweise nur eine Frage der Zeit, bis die ersten Elche auch in der Schweiz gesichtet werden. Der Tierpark Bern hält Elche auch deshalb, um Besucherinnen und Besucher für diese faszinierende Art zu begeistern – als lebendige Begegnung mit einem möglichen künftigen Wildtier der Region.