Rekord in der Kinderstube: 13 junge Bienenfresser fliegen aus

15.10.2026
Drei Jahre nach ihrem Einzug brüten die Bienenfresser im Tierpark Bern so erfolgreich wie noch nie. In den Nistkästen schlüpften 18 Küken, 13 davon sind ausgeflogen. Kameras haben das Geschehen in den Bruthöhlen festgehalten – vom ersten Ei bis zum flügge werden.
Ein Rekordjahr in der Brutwand
Im Frühling 2026 begann bei den Bienenfressern die dritte Brutsaison im Tierpark. In den Nistkästen mit Kamera schlüpften insgesamt 18 Küken – so viele wie noch nie. 13 Jungvögel haben den Nistkasten inzwischen verlassen und fliegen durch die Voliere.
Die Bienenfresser nutzten in diesem Jahr auch die beiden anderen Nistbereiche in der langen Brutwand. Dort gibt es keine Kameras. Ob auch dort gebrütet wurde und Jungvögel geschlüpft sind, bleibt deshalb vorerst ein kleines Geheimnis.
Vom Ei zum Jungvogel: ein Blick in den Nistkasten
Normalerweise bleibt verborgen, was in einer Bruthöhle passiert. In der Natur graben Bienenfresser mit Schnabel und Füssen bis zu zwei Meter lange Tunnel in steile Erdwände. Im Tierpark nutzen sie künstlich gebaute Nistkästen in der Brutwand; den Zugang dazu graben sie sich selbst. Dort haben wir Kameras installiert.
Ein Rätsel aus der Bruthöhle
Die Kameras brachten auch Überraschendes ans Licht. Einzelne Bienenfresser trugen frisch gelegte Eier aus dem Nistkasten und liessen sie in der Voliere fallen. Warum sie das tun, ist bisher unklar.
Genau solche Beobachtungen machen die Kameras so wertvoll: Sie liefern Antworten – und werfen neue Fragen auf.
«Die Kameras zeigen uns, was sonst tief in der Brutwand verborgen bleibt. Mit jeder Saison lernen wir unsere Bienenfresser besser kennen und können ihre Haltung noch genauer auf ihre Bedürfnisse abstimmen.» — Meret Huwiler, Kuratorin Tierpark Bern
Nicht alle Küken überleben
Zur Natur gehört auch, dass nicht jedes Küken gross wird. Weil die Jungen nacheinander schlüpfen, sind die älteren Geschwister kräftiger. Sie setzen sich beim Füttern durch und bekommen mehr Futter als die jüngeren. Daher überleben nicht immer alle geschlüpften Jungvögel.
Ein Eingriff in dieser Phase ist heikel. Wird die Brut gestört, kann es sein, dass die Eltern das ganze Gelege aufgeben. Darum sind die Tierpflegerinnen und Tierpfleger sehr zurückhaltend und greifen eigentlich nicht ins Brutgeschäft ein.
Drei Jahre, eine wachsende Kolonie
Der Rekord ist das Ergebnis einer Entwicklung über drei Jahre. Im Sommer 2024 eröffnete der Tierpark die Bienenfresser-Anlage. Schon kurz darauf lag im ersten Nistkasten ein Gelege, doch die jungen Elternvögel waren noch unerfahren, die Jungvögel überlebten später den ersten Winter nicht.
2025 waren die Bienenfresser bereits gut eingewöhnt und zogen vier Jungtiere gross. Alle vier – alles Weibchen – blieben im Tierpark. So entsteht eine Gruppe mit unterschiedlich alten Tieren und ein natürliches Schwarmgefüge.
Die Jungvögel aus diesem Jahr bleiben entweder auch im Tierpark oder ziehen im Rahmen des neuen Europäischen Erhaltungszuchtprogramms (EEP) in andere Zoos. So tragen die Berner Bienenfresser zu einer gesunden Population in Zoos bei.
Selbst beobachten
In der Voliere lassen sich die Bienenfresser bei ihren eleganten Jagdflügen beobachten. Mit etwas Glück sehen Sie auch die Jungvögel, wie sie ihre ersten Insekten fangen – zu erkennen am deutlich blasseren Gefieder.
Mehr über die farbenprächtigen Vögel erfahren Sie im Tierlexikon: Bienenfresser. Wie die Blumenwiese bei der Bienenfresser-Anlage Wildbienen anzieht, lesen Sie im Beitrag zum Wildbienen-Monitoring.










