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Kleine Flächen, grosse Wirkung – wie Naturschutz im Tierpark sichtbar wird

Raupe des Schwalbenschwanzes (Foto: Alessandro Moser)

20.10.2026

Im Juli 2026 machte unser Team eine erfreuliche Entdeckung: Auf einer Kiesfläche zwischen Elch- und Flamingo-Anlage lebt die Blauflügelige Ödlandschrecke – eine in der Schweiz potenziell gefährdete Insekten-Art. Der Fund ist kein Zufall. Er ist das Ergebnis von vier Jahren gezielter Artenförderung zwischen unseren Tieranlagen.

In Ruhe ist sie kaum zu sehen. Graubraun gesprenkelt verschmilzt die Ödlandschrecke mit dem Kies, auf dem sie sitzt. Erst wenn sie aufspringt, verrät sie sich: Im Flug leuchten ihre Hinterflügel kräftig blau. (Foto: iStock)

Genau diese Art haben wir im Sommer erstmals auf unserer Ruderalfläche beobachtet. Für uns ist das mehr als eine schöne Beobachtung. Es ist der Beweis, dass auch kleine, gezielt gestaltete Lebensräume viel für die Artenvielfalt bewirken können.

Naturschutz zwischen den Tieranlagen

Seit vier Jahren werten wir die Flächen zwischen unseren Tieranlagen ökologisch auf. So entstehen Kiesflächen, Futterpflanzen für Raupen, Nistplätze für Wildbienen und Totholz für Käfer.

Unser Ziel ist zweifach. Wir schaffen Lebensraum für spezialisierte, oft seltene Arten. Und wir zeigen unseren Gästen, dass Biodiversitätsförderung auch im Kleinen funktioniert – im Tierpark ebenso wie im eigenen Garten.

Deshalb setzen wir bewusst auf Massnahmen, die man sehen kann. Sie sind «Hingucker», die zum Entdecken und Staunen einladen – und vielleicht auch zum Nachmachen.

Vier Arten, die Sie bei uns entdecken können

Blauflügelige Ödlandschrecke – der Beweis, dass es wirkt

2022 haben wir zwischen Elch- und Flamingo-Anlage eine Ruderalfläche angelegt. Dazu trugen wir die oberste Humusschicht ab und ersetzten sie durch Wandkies. So entstand ein trockener, nährstoffarmer Standort – ideal für Wildbienen, Schmetterlinge und Heuschrecken.

Solche offenen Kiesflächen sind selten geworden. Sie verschwinden durch Überbauung, intensive Nutzung oder weil sie mit der Zeit zuwachsen.

Beim Monitoring 2025 fanden wir sechs Heuschreckenarten, allesamt häufig und ungefährdet. Ein gutes Zeichen: Der neue Lebensraum hatte sich etabliert. Im Juli 2026 folgte dann die Blauflügelige Ödlandschrecke. Sie steht auf der Roten Liste des Bundesamts für Umwelt und gilt als Charakterart von Kies- und Trockenstandorten.

Wo entdecken: Ruderalfläche zwischen Elch- und Flamingoanlage

Wann entdecken: im nächsten Sommer ab Juli, am besten an warmen, sonnigen Tagen – dann springt sie auf und zeigt ihre blauen Flügel.

Schwalbenschwanz – die «Rüebliraupe»

Den gelbschwarzen Falter kennen viele, seine grün-schwarz-orange gestreifte Raupe ebenso. Das Weibchen legt seine Eier bevorzugt an Wilde Möhren – daher der Name «Rüebliraupe». Auch Fenchel, Dill und Berg-Laserkraut dienen den Raupen als Futter. Ausgewachsen sucht die Raupe eine geschützte, raue Oberfläche, spinnt sich mit einem Seidengürtel fest und verpuppt sich.

Wo entdecken: Wilde Möhren und Dill vor der Stein- und Birkhuhn-Voliere sowie beim Ausgang des Vivariums Richtung Elchanlage. Mit etwas Geduld sehen Sie die Raupen beim Fressen.

Wann entdecken: Die Falter fliegen ab dem Frühling, die Raupen fressen von Juni bis in den Spätsommer.

Frisch gepflanzte Möhren und Fenchel. (Foto: Tierpark Bern)
Holzbienenhotel (Foto: Tierpark Bern)

Blauschwarze Holzbiene – die grösste Biene der Schweiz

Die grösste Biene der Schweiz lebte lange nur an warmen Orten. Mit dem Klimawandel breitet sie sich heute fast im ganzen Land aus. Auffällig sind ihre blauviolett schillernden Flügel. Die Weibchen nagen bis zu 30 Zentimeter lange Nistgänge in altes, sonniges Holz – meist in jenes, in dem sie selbst geschlüpft sind. Für sie haben wir ein Hotel aus morschen Laubholzstücken gebaut. Davor wachsen Muskatellersalbei und Wald-Platterbse, ihre bevorzugte Nahrung.

Wo entdecken: Holzbienenhotel zwischen Wildkatzenanlage und Elchstall

Wann entdecken: ab den ersten warmen Frühlingstagen bis in den Sommer, wenn die Weibchen Nistgänge nagen und Nektar sammeln.

Moschusbock – ein Käfer wie ein Juwel

Der Moschusbock gehört zu den Bockkäfern und wird bis zu vier Zentimeter lang. Sein Körper schimmert metallisch grün, blau oder bronzefarben. Die Fühler der Männchen können länger sein als der ganze Käfer.

Er lebt vor allem dort, wo Weiden, Pappeln oder Erlen wachsen. Die Weibchen legen ihre Eier an geschwächte oder absterbende Bäume. Die Larven bohren sich tief ins Holz und entwickeln sich dort zwei bis drei Jahre lang.

Deshalb lassen wir geschwächte Weiden und Erlen bewusst stehen. Davon profitiert nicht nur der Moschusbock, sondern viele weitere Tier- und Pflanzenarten, die auf Totholz angewiesen sind.

Wo entdecken: zwei Weiden bei der Flamingo-Anlage und bei der Bienenfresser-Voliere. Gut sichtbar sind dort die Ausbohrlöcher und Frassgänge – Spuren eines sonst verborgenen Lebens.

Wann entdecken: Die Käfer zeigen sich im Hochsommer, etwa von Juni bis August. Die Ausbohrlöcher sind das ganze Jahr zu sehen.

Moschusbock (Foto: iStock)

So helfen Sie zu Hause mit

Was im Tierpark funktioniert, gelingt auch im Garten oder auf dem Balkon. Schon wenig Platz reicht:

  • Futter für Rüebliraupen: Dill, Fenchel oder Wilde Möhre pflanzen – und die Raupen fressen lassen.
  • Nahrung für Wildbienen: Muskatellersalbei oder Wald-Platterbse ziehen nicht nur Holzbienen an.
  • Totholz liegen lassen: Alte Holzstücke oder ein morscher Stamm an einem sonnigen Ort bieten Nistplätze.
  • Kies statt Rasen: Eine kleine, nährstoffarme Kies- oder Steinfläche ist Lebensraum für Wärme liebende Insekten.
  • Weniger aufräumen: Verblühte Stauden und Stängel stehen lassen – manche Puppen und Insekten überwintern darin.

 

Ab dem nächsten Frühling lohnt es sich also, nicht nur in die Anlagen zu schauen, sondern auch dazwischen. Am Wegrand, im Kies und im alten Holz spielt sich Naturschutz ab – ganz konkret und zum Anschauen.

Dieser Beitrag erschien in längerer Form im UHU [Ausgabe 3/2026 – Link ].

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