Wölfe im Fokus der Wärmebildkamera

30.03.2026
Wärmebildkameras werden im Tierpark Bern nicht nur zur Tierbeobachtung eingesetzt, sondern auch als Testfeld für die Forschung. Gemeinsam mit der Stiftung KORA wird untersucht, ob sich Wolfsindividuen anhand von Wärmebildern unterscheiden lassen – eine Methode, die künftig helfen könnte, Wölfe in freier Wildbahn zu identifizieren.
Zoos haben längst mehr Aufgaben als nur Tiere zu zeigen. Es sind Orte der Bildung, des Artenschutzes und der Forschung. Dazu gehört auch, wissenschaftlich zu arbeiten und ihre Infrastruktur Schulen, Universitäten und Forschungsinstitutionen zur Verfügung zu stellen. Der Tierpark Bern nimmt diesen Auftrag ernst und bietet immer wieder Raum, um neue Methoden oder technische Geräte in einem kontrollierten Umfeld zu testen. Ein aktuelles Beispiel dafür ist der Einsatz von Wärmebildkameras.
Wärmebildkameras haben sich im Zooalltag bewährt, etwa um gut getarnte oder dämmerungsaktive Tiere in grossen, naturnah strukturierten Anlagen aufzuspüren. Gleichzeitig spielen sie auch in der Lebensraumforschung eine zunehmende Rolle. Die Stiftung KORA beschäftigt sich derzeit mit der Frage, wie sich einzelne Wölfe in der Natur identifizieren lassen. Besonders wichtig ist dabei die Unterscheidung zwischen Jungtieren und adulten Tieren – idealerweise ohne Fang oder Betäubung.
Von blossem Auge ist eine solche Unterscheidung im Winter kaum möglich. Hier bietet der Tierpark Bern ideale Voraussetzungen. Im Wolfsrudel des Tierparks sind die einzelnen Tiere bekannt, das Reproduzierende-Paar ist klar identifizierbar und die Altersstruktur dokumentiert. KORA konnte ihre Wärmebildkameras unter realistischen Bedingungen einsetzen und die Aufnahmen direkt mit den bekannten Individuen abgleichen. So liess sich überprüfen, ob Wärmebilder Hinweise auf das Alter der Tiere liefern.

Wärmebild eines erwachsenen Wolfs (l) und eines Jungwolfs (r).
Die Ergebnisse sind vielversprechend: Auf den Aufnahmen scheint es insbesondere im Hals- und Nackenbereich ein Unterschied zwischen den Jungwölfen des letzten Jahres und den erwachsenen Elterntieren. Adulte Wölfe zeigen an Hals und Schulter schwarze stellen, was bedeutet, dass sie dort weniger Wärme abstrahlen, dadurch wirken sie auf den Bildern strukturierter, während Jungtiere ein homogeneres Wärmebild über den ganzen Körper aufweisen. Diese Ergebnisse haben wir Anfang Dezember beobachtet und müssen noch für andere Zeiträume überprüft werden. Damit könnte also auch im Winter die Altersstruktur im Feld bestimmt werden, wenn die Jungtiere von blossem Auge nicht mehr erkannt werden können. Der Tierpark Bern zeigt damit einmal mehr, wie Tierparks und Zoos als Schnittstelle zwischen Tierhaltung und Forschung neue Wege für den Artenschutz eröffnen können.





